Geboren bin ich am 13.10.1962 (daher goldener Oktober) in Kamp-Lintfort, einer Bergarbeiterstadt am linken Niederrhein. Meine beiden Großväter waren als Bergarbeiter mit der Spitzhacke in der Hand angetreten, um „Kohle zu machen“, was ich vor einigen Jahren in anderem Zusammenhang einmal kurz so erklärt habe: Meine Großväter haben Kohle gefördert, ich setze diese Tradition ohne Striche über dem ö fort.  

Meine Eltern betrieben zwei Fahrschulen, für die ich im Alter von 15 Jahren nachmittags die tägliche Verwaltung übernommen habe (Anmeldungen, Auskünfte über Führerscheinklassen, Erfordernisse der Ausbildung und Kosten sowie Korrektur und Durchsprache der Fragebögen mit den Schülern). Ein abwechslungsreicher Einstieg in die Arbeitswelt mit oft heiteren Momenten. Kleine Anekdote: die 18-jährige Nicole wollte sich anmelden und stellte sich als „Niekohle“ vor. Ich sagte ihr, dass es dann mit der Ausbildung wohl nichts werde, denn ohne Kohle läuft nichts in Jenders Fahrschule. Zum Glück hatte sie Humor und angemeldet hat sie sich auch. 


Mit 16 lernte ich meine spätere Frau kennen, wir heirateten im zarten Alter von 25. Kurze Zeit später beglückten uns unsere zwei Töchter. 


Die Grundlage für meine spätere Berufswahl, bzw. die Fähigkeiten zu kommunizieren, interagieren und die Lust auf Publikum und Ansage hat sich bei mir während der gymnasialen Phase eingestellt. Ich spielte dort aktiv Theater und dabei in diversen Hauptrollen, u.a. in Brechts „Ausnahme und die Regel“, aber auch in heiteren Stücken, wie dem Musical „Hallo Freunde“, wo ich sogar singen durfte. Ja, singen! In einer Saison wechselte ich als Regisseur auf die Trainerbank und durfte den Chor der Frauen in Aristophanes Lisystrata coachen. Fünfzehn Mädchen und alle mussten machen, was ich Ihnen dirigierte. Einmalig! 


Sport war neben Theater, Literatur und Musik eine weitere Leidenschaft, der ich bis heute nachgehe. Meine Eltern ließen mich alles ausprobieren. Unter der Auflage, nichts durfte monatlich mehr kosten als DM 25. Den Rest musste ich mir selber dazu verdienen. So habe ich geturnt (das war nichts für mich), bin geschwommen (gerne aber erfolglos), zwei Jahre geritten und mit Fünfzehn beim Segelflug angekommen. Heute gehe ich Bergwandern, ab und zu auf den Golfplatz und fahre so oft es geht mit meiner 20 Jahre alten Triumph Trophy oder meiner neuen Triumph Tiger Explorer durch die Alpen, Pyrenäen oder Skandinavien. Reisen ist mein Ding: Ich war – außer in Australien und Neuseeland –  in allen Erdteilen und bin spannende Länder durchreist, u.a. 1984 die damalige UDSSR – als einziger Student in einer akademischen Reisegruppe mit lauter Schlaumeiern.


Mit dem Leistungskurs Biologie und Sport bin ich als begeisterter Basketballer und Leichtathlet neben Geschichte und Englisch ins Abitur gegangen. Auch wenn ich dort gut abgeschnitten habe, konnte ich mir meinen ersten Berufswunsch, Arzt zu werden, nicht erfüllen. Ein zweiter Anlauf dies über die Bundeswehr zu erreichen klappte ebenfalls nicht. Während meiner Bundeswehrzeit (W15) als VHF Schreibfunker in Oldenburg und Wesel habe ich dann verschiedene andere Wege durchdacht, bis mir der Zufall eine Gelegenheit präsentierte, die ich so nicht auf dem Zettel hatte.


Ich erhielt das Angebot der damals noch recht kleinen Firma Mercator Inkasso (10 MA) ein Duales Studium an der VWA in Bochum zu absolvieren und die praktische Ausbildung im Betrieb. Der Geschäftsführer und Komplementär von Mercator war mir als väterlicher Mentor sehr zugetan und in einer misslichen Situation: im fortgeschrittenen Alter und durch eine schwere Krankheit gehandicapt, hatte er sich bis dato nicht um die Nachfolge gekümmert. Im Rahmen der Ausbildung zum Betriebswirt absolvierte ich in Windeseile eine Lehre als Bürokaufmann, das Studium beendete ich erfolgreich mit der Diplomarbeit: „Das Marketing von Inkassoeinrichtungen“. Die Arbeit wurde mit einer Eins ausgezeichnet, weil ich sie auf meine profunden Praxiserfahrungen aus dem Betrieb stützen konnte. Nach dem Studium wurde ich zum Prokuristen befördert.

Der Schlüssel zu meinem beruflichen Erfolg ist, dass ich durch die Art der Ausbildung vom ersten Tag an mit der Praxis konfrontiert war und gleichzeitig früh Verantwortung als Führungskraft übernehmen durfte. Ich habe jeden Handschlag im Betrieb kennengelernt und ausgeführt, von der Warenbeschaffung über die Führung des Auftragseingangsbuches, der Kalkulation, Buchführung, Gestaltung der Aufbau- und Ablauforganisation, Entwicklung von Mahnketten und EDV-Konzepten, bis zur Kundenbetreuung und Beratung der Kunden als Experte im Bereich der Rechtsdienstleistungen. Schon mit Mitte 20, engagierte ich mich im Bundesverband Inkasso in verschiedenen Arbeitsgruppen und viel später als Präsident für unsere berufsständische Vereinigung, den Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen, ehrenamtlich für 4 Jahre. 


Insgesamt habe ich vier Betriebe in unterschiedlichen Größenordnungen und wechselnden Aufgabenstellungen geführt, davon ein großes Unternehmen der Otto-Gruppe als Manager und drei weitere mittelständische Unternehmen unterschiedlicher Größe als geschäftsführender Gesellschafter oder Vorstandsvorsitzender und Aktionär. 


Mein Credo als Führungskraft: Immer mittendrin und nahe dran am Menschen. Denn nur durch regelmäßigen direkten Kontakt zu Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern lässt sich ein Geschäft verstehen, steuern und für die Zukunft gestalten.

Mein Lieblingsspruch, von Saint Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

So viel zu mir. 

Ihr Stephan Jender